Informationen
Opernhaus
Dauer
Teil 1 + 2: ca. 1 Std. 5 Min.
Pause: ca. 30 Min.
Teil 3 + 4: ca. 1 Std. 10 Min.
Aufführungen, Besetzung, Kartenverfügbarkeit
Besetzung
Donnerstag, 10.11.2011, 19:30 Uhr
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Musikalische Leitung: Kwamé Ryan, Regie: Andrea Moses, Bühne und Kostüme: Christian Wiehle, Licht: Reinhard Traub, Video: Timo Schierhorn, Chor: Michael Alber, Dramaturgie: Thomas Wieck

Marguerite: Maria Riccarda Wesseling, Faust: Pavel Cernoch, Méphistophélès: Robert Hayward, Brander: Mark Munkittrick

Fausts Verdammnis

La Damnation de Faust

Von Hector Berlioz
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Wie kaum ein anderes Werk hat diese 1846 uraufgeführte »Dramatische Legende« dem europäischen Musiktheater den Weg in die Moderne gewiesen. Berlioz’ Figuren sind Agenten und Opfer einer Gesellschaft, in der allein die Interessen der nackten Zahlung gelten. Die von Goethe übernommenen Geschehnisse um die von Mephisto arrangierte Liebe zwischen Faust und Marguerite (Gretchen) und die Hinrichtung der verlassenen und zur Mörderin gewordenen Geliebten begegnen uns hier in traumhafter Entstellung. Auch seinen Protagonisten liefert Berlioz dem Wechselspiel von Illusion und Desillusionierung aus: welcher Eindruck, welches Gefühl, welches Bild der realen Ereignisse »stimmt«?
 
 
Öffentliche Probe
Samstag, 17. September 2011 (im Rahmen der Spielzeit-Eröffnung)
 
Einführungsmatinee
Sonntag, 16. Oktober 2011, 11.00 Uhr im Opernhaus, Foyer 1. Rang
Weitere Infos und Karten
 
Nach(t)gespräche
Der Produktionsdramaturg gibt Antworten auf Fragen der Zuschauer im Anschluss an die Vorstellung:
  • Samstag, 05. November
  • Donnerstag, 22. Dezember
  • Samstag, 14. Januar

Bildergalerie
Video


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PRESSESTIMMEN
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2011
"Was leicht wie eine unerträgliche Banalisierung oder gar Karikatur der bekannten Handlung wirken könnte, gewinnt in Stuttgart eine erstaunliche Dringlichkeit und Relevanz. Das liegt nicht nur an dem Bilderstrom, den der Ausstatter Christian Wiehle in atemberaubenden Verwandlungen über den Zuschauern hereinbrechen lässt; es liegt vor allem an der Intensität, mit der die schauspielerfahrene Regisseurin die Sänger führt und glaubhafte, nie opernhaft überzeichnete Charaktere schafft."
Basler Zeitung, 01.11.2011
"(...) eine Inszenierung, die voller brillanter Ideen steckt, in der Personenführung äußerst detailliert ist und dennoch nie die Willkür und Beliebigkeit der Bildfindungen aufweist, von der moderne Inszenierungen bisweilen geprägt sind."
Reutlinger Generalanzeiger, 02.11.2011
"Musikalisch ist die Stuttgarter Neuinszenierung ein großer Wurf. Unter Leitung von Kwamé Ryan wird teilweise wie Breitwand-Filmmusik stimmungsmalende und dramatisch auftrumpfende, vielfarbige Musik mitreißend dargeboten."
DIE ZEIT, 03.11.2011
"Pavel Cernoch ist ein stimmlich wie szenisch wunderbar präsenter junger Tenor, am Charakter mehr interessiert als am Wohlklang, den er gleichwohl zu bieten hat."
Süddeutsche Zeitung, 04.11.2011
"Pavel Cernoch gibt den Faust als jungen Everyman:ehrgeizig, von einer unergründlichen Unruhe getrieben, unzufrieden mit der Gesellschaft und ihren Institutionen. Erstaunlich Cernochs Selbstsicherheit, seine Ruhe, seine Selbstverständlichkeit. Nie aufgeregt, gleicht er Spiel mit Gesang ab: musikalisch wie szenisch erfüllt, leicht elegant, auch voller Weltschmerz."
Neue Zürcher Zeitung, 01.11.2011
"Die Idylle zwischen Faust und Gretchen entfaltetsich aufs Schönste, weil Pavel Cernoch seinen weichen Tenor mühelos in die französischen Höhen treibt und Maria Riccarda Wesseling ihren kernigen, tragenden Sopran prächtig zur Geltung bringt."
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2011
"Maria Riccarda Wesseling gelingt ein berührendes Porträt der Marguerite, die sich hier zu ihrer großen Romanze „D’amour l’ardente flamme“ aus den Krallen des Teufels löst und zur tragisch liebenden Frau wird."
Basler Zeitung, 01.11.2011
"Eine Glanzbesetzung ist der britische Bassbariton Robert Hayward, der dem Mephisto alle nur denkbare Präsenz verleiht und damit das Vorurteil widerlegt, gute Sänger müssten langweilige Rampensteher sein."
Fränkische Nachrichten, 02.11.2011
"Der Staatsopernchor, diesmal mit Kinderchor, war wieder über jede Kritik erhaben."
Vorarlberger Nachrichten, 10.11.2011
"Eine starke Auseinandersetzung mit der Geschichte."
HANDLUNG
DIE FABEL

ERSTER TEIL
Faust ist auf der Suche nach dem für ihn entscheidenden künstlerischen Motiv, dem einen, dem allumfassenden ästhetischen Bild. In der Einsamkeit der Natur glaubt er fündig zu werden. Aber die Natur ist längst besiedelt, Ort menschlichen Daseins und Eingriffs.
Skeptisch betrachtet er ein Hochzeitsfest, die anrührende Zeremonie eines fremdartigen Volkes aus rätselhafter Ferne. Die aufkeimende Faszination wird brutal zerstört durch die von Freiheit kündenden, doch alles Fremde gewalttätig verjagenden Einheimischen. Faust filmt das Geschehen, bannt es zwar als Dokument, die reale Gewalt aber kann er nicht verhindern.

ZWEITER TEIL
Fausts Aufbruch ist gescheitert, er ist wieder zurückgeworfen auf sein beschädigtes Leben im bürgerlichen Interieur: »… den Kummer nehme ich wieder mit mir zurück in die alten Mauern. Ach ja, ich leide, ich leide.« Ein letztes Experiment mit dem blinden Zufall soll sein Schicksal lenken: »Komm, edler
Kristall, flöße mir das Gift ein, das meinen Geist erhellen oder töten wird.«
Jetzt ist die Stunde für Mephistopheles und seine Scharen gekommen. Mephistopheles wirft seine Unterhaltungsmaschinerie an, um den leidenden Künstler werbewirksam in aller Öffentlichkeit mittels seiner Show zu heilen: »Ich bin der Geist des Lebens und ich bin’s, der Tröstung bringt. Ich werde dir
alles geben: Glück, Lust, alles was heiße Wünsche sich erträumen können.«
Doch weder die martialischen Rituale der elitären Burschenschaftler noch die reizenden Verlockungen ihrer weiblichen Gespielinnen beeindrucken Faust: »Fort von hier, wo die Reden schnöde, das Vergnügen gemein und die Gesten roh sind.« Mephistopheles ist nicht verlegen: Wenn die Hochglanzbilder des äußeren Lebens Faust nicht beeindrucken, dann gilt es, die in Faust schlummernden inneren Wunsch-Bilder hervorzukehren und zu befriedigen. Hypnose, Drogen und andere Mittel sind zur Hand, das Innen-Leben von Faust zu erkunden. Der Befund ist problematisch: Im schlafenden Faust streiten die Sehnsuchtsbilder nach dem harmonischen Eins sein mit sich, der Natur und den Menschen mit den jüngst erlebten Schreckensbildern.

DRITTER TEIL
Da blitzt das Bild einer Frau auf: »Margarita! Was hab ich gesehen?« Faust erwacht und ist besessen von diesem Bild einer anbetungswürdigen Frau in einer verwunschenen Biedermeier-Welt – Mephistopheles spart nicht mit Maschinen und Prospekten, um Faust zu verführen in die romantische Welt der Illusionen und seligen Harmonien.
In dieser bürgerlichen Idylle hofft Faust Frieden und Glück zu finden. Mephistopheles scheint zu triumphieren, ist doch Margarita niemand anders als seine Assistentin. Aber Margarita entdeckt sich und ihre Sehnsüchte, ihr Begehren und ihre Hoffnungen. Sie liebt diesen Faust und mit ihm ist ein neues Leben denkbar.
Als die beiden Liebenden dem Zugriff Mephistopheles’ zu entgleiten drohen, sorgt er dafür, dass aus dem Wunschtraum ein Alptraum des endgültigen Versagens wird. Die aufgepeitschten Kreaturen des Mephistopheles in der Maske der moralisch empörten Mitbürger vertreiben Faust und verschlingen Margarita – das Biedermeier-Idyll versinkt im Höllenstrudel.

VIERTER TEIL
Noch ist der Pakt nicht geschlossen, noch hat Faust sich nicht vertraglich an Mephistopheles gebunden. In einem hingebungsvollen Anruf der Natur hofft Faust sich doch noch einmal sammeln, das Erlebnis mit Margarita verwinden zu können: »Unendliche Natur, undurchdringlich und stolz, du allein gönnst meinen endlosen Leiden eine kurze Ruhe. An deinem allmächtigen Busen ertrage ich mein Elend leichter.« Aber es ist zu spät. Mephistopheles narrt Faust. Er behauptet, Margarita sei zur Mörderin ihrer Mutter geworden, stünde vor Gericht und würde zum Tode verurteilt, wenn er sie nicht mit seiner teuflischen Kraft rette, wozu er bereit sei, wenn Faust versichert, ihm nach der Rettung Margaritas als Knecht willfährig zu sein.
Faust, seiner Sinne und seines Willens nicht mehr mächtig, stimmt zu und Mephistopheles stürzt den Betrogenen in den Wahnsinn. Die Dämonen nehmen von Faust Besitz während Mephistopheles seine Mission krönt, indem er das große Schauspiel der Verklärung Margaritas in Szene setzt.