Sie war die größte Sängerdarstellerin ihrer Zeit: Giuditta Pasta. Das Echo ihrer Kunst hallt bis heute nach in hingerissenen Elogen. Dem französischen Schriftsteller Stendhal verdanken wir eine der lebhaftesten und detailliertesten Schilderungen ihres Gesangs, dem er in seiner 1824 erschienenen Rossini-Biographie ein eigenes Kapitel gewidmet hat: »Madame Pasta geht erstaunlich geschickt von der Kopfstimme zur Bruststimme über; sie beherrscht die hohe Kunst, durch die Verbindung dieser beiden Stimmen sehr viele angenehme und amüsante Effekte zu erzielen. Um das Kolorit der Phrase einer Melodie aufzufrischen oder um deren Nuance von einem Augenblick zum andern zu ändern, benutzt sie das Falsett bis in die mittleren Lagen ihres Stimmumfangs hinein, oder sie singt abwechselnd eine Note im Falsett, die andere mit der Bruststimme. Sie benutzt diesen Trick sowohl bei den mittleren als auch bei den höchsten Tönen ihrer Bruststimme, in beiden Fällen gelingt ihr der übergang leicht und unauffällig. Die Kopfstimme der Madame Pasta klingt fast gegensätzlich zu ihrer Bruststimme; sie ist brillant, schnell, glockenrein, kommt mühelos und ist von einer bewundernswerten Leichtigkeit. Wenn sie hinuntergeht, kann die Sängerin mit dieser Stimme den Gesang dämpfen (smorzare il canto), und zwar so weit, dass es zweifelhaft erscheint, ob sie noch singt.« Mit diesen »zwei Stimmen« machte die Pasta Karriere zu einer Zeit, als die italienische Gesangsästhetik im Umbruch begriffen war.
Die Sopranistin Majella Cullagh und die Mezzosopranistin Claudia Mahnke lassen die Kunst der Giuditta Pasta in diesem Konzert im Rahmen des Stuttgarter
Bellini-Wochenendes wieder auferstehen.