Informationen
Kammertheater
Premiere
10. Juni 2010
Dauer
160 Minuten, eine Pause
Aufführungen, Besetzung, Kartenverfügbarkeit
Oktober 2011
13.10.2011 19:00 - 21:45 Uhr | Besetzung
16 €
15.10.2011 19:00 - 21:45 Uhr | Besetzung
- €
17.10.2011 18:00 - 20:45 Uhr * | Besetzung
- €
18.10.2011 18:00 - 20:45 Uhr * | Besetzung
- €
20.10.2011 19:00 - 21:45 Uhr | Besetzung
16 €
22.10.2011 19:00 - 21:45 Uhr | Besetzung
- €
24.10.2011 18:00 - 20:45 Uhr * | Besetzung
- €
26.10.2011 18:00 - 20:45 Uhr * | Besetzung
16 €
28.10.2011 19:00 - 21:45 Uhr | Besetzung
- €
29.10.2011 19:00 - 21:45 Uhr | Besetzung
- €

* Schulvorstellungen
Für die übrigen Vorstellungen gibt es ein begrenztes Kartenkontingent für Gruppen.
Spielzeitbesetzung
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Musikalische Leitung: Hans Christoph Bünger, Regie: Neco Çelik, Choreografie: Kadir "Amigo" Memis, Bühne und Kostüme: Rifail Ajdarpasic, Ariane Isabell Unfried, Dramaturgie: Barbara Tacchini

Sibel: Tereza Andrasi, Cahit: Levent Bakirci, Yilmaz / Hüseyin: Svetislav Stojanovic, Selma: Catherine Cangiano, Birsen: Trine Øien, Yunus: Thomas Fleischmann, Niko: Carlos Zapien, Tänzer: Sonia Santiago, Sebastian Petrascu, Onur Yildirim, Projektchor und Projektorchester der Jungen Oper

Gegen die Wand

Oper von Ludger Vollmer
nach dem gleichnamigen Film von Fatih Akin
Ab 14 Jahren (Klasse 8)
In deutscher und türkischer Sprache mit deutschen Übertiteln


Sie will leben, tanzen, frei sein! Hinter der Fassade einer Scheinehe mit dem Türken Cahit erhofft sich die junge Deutschtürkin Sibel ein Leben nach eigenen Vorstellungen. Voll Lebens- und Liebeshunger stürzt sie sich in Drogen und Affären. Doch Cahit verliebt sich in Sibel.
Komponist Ludger Vollmer hat die erste Oper in türkischer und deutscher Sprache geschrieben. Seine energiegeladene Musik, für die er sowohl klassische Orchesterinstrumente als auch traditionelle türkische Instrumente wie Kaval und Saz verwendet, spiegelt die schmerzhafte Suche Sibels und Cahits nach innerer und äußerer Heimat.

Keine weiteren Vorstellungen in dieser Spielzeit.

FAUSTPREISTRÄGER 2011!

Regisseur Neco Çelik ist in Frankfurt mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST für seine Regiearbeit in Ludger Vollmers Oper Gegen die Wand in der Kategorie „Kinder- und Jugendtheater“ ausgezeichnet worden. Die renommierte Auszeichnung wurde in Anwesenheit des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst Eva Kühne-Hörmann sowie der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth verliehen. Die Produktion der Jungen Oper Stuttgart feierte im Juni 2010 Premiere. Wegen ihres großen Erfolgs wurde Gegen die Wand im Oktober dieses Jahres wiederaufgenommen.

Wir freuen uns und gratulieren!
Bildergalerie
ÜBER DIE PRODUKTION
Chor der Jungen Oper
 
„Ich wusste gar nichts von Oper. Ohne meine Freundin wäre ich nie zum Casting mitgegangen, ich hab gezittert wie nur etwas",  erzählt Melanie lachend. Nun ist sie schon seit drei Jahren im Chor der Jungen Oper dabei. Ihr erstes Projekt war Mozarts „Zaïde", dann ein Auftritt beim Kinderfest, die „zeitoper VII - Zivilcourage", sogar ein Auftritt beim Weihnachtskonzert mit dem Kinderchor der Staatsoper Stuttgart auf der großen Bühne ergab sich daraus. „Mich hat das viel selbstbewusster gemacht. Jetzt liebe ich es, auf der Bühne zu stehen und zu singen, es hat in meinem Leben eine ganz neue Sprache eröffnet, und ich habe jetzt auch schon mal überlegt, ob ich das beruflich machen möchte." Rund dreißig ChorsängerInnen zwischen 15 und 25 Jahren singen und spielen noch bis zum 7. Juli in den Vorstellungen der Oper „Gegen die Wand" im Kammertheater mit. Für jedes Opernprojekt kann man sich neu bewerben. Manche bleiben nur für eine Produktion dabei, andere wie Melanie, David oder Verena kommen immer wieder: „Spätestens nach drei Tagen kriege ich Entzugserscheinungen." „Es ist mehr als ein Hobby", erklärt Lucie. „Naja, im Oktober, da haben wir uns jeden Mittwochabend zur musikalischen Probe getroffen, das gilt ja noch als Hobby. Doch nun, wo die Pfingstferien und damit die Intensivproben beginnen, ist es mehr, es ist ..", sie sucht nach Worten „es ist ... richtig". Seit die Junge Oper vor rund dreizehn Jahren gegründet wurde, bestreiten Kinder und Jugendliche sämtliche Chorpartien. Und aus jedem Jahrgang finden welche den Weg in die Hochschulen für Musik und Theater.
 
Die Jugendlichen kommen gerade von der Probe. „Es war sehr toll!" Alle lachen. „Wir haben die Schluss-Szene von „Gegen die Wand" geprobt. Da kommen wir als ganze Gruppe in den Zuschauerraum und singen das türkische Lied „Su karsiki". Es ist schön, traurig und hart zugleich." Hart? „Ja". Jetzt ist Elif gefragt, die türkisch spricht: „Cahit fragt Sibel, komm doch mit nach Mersin, wir fangen da ein neues Leben an. Aber sie sagt, tut mit leid, ich kann nicht. Die erste Strophe des Liedes ist sehr hoffnungsvoll, „dort drüben auf dem Berg brennt ein Leuchtfeuer". Die zweite Strophe aber ist sehr tragisch, „mögen die Berge glücklicher sein als ich". „Wir stellen uns den Zuschauern. Wir verteidigen die Liebe", sagt Anna. „Allerdings nicht von Anfang an", ergänzen andere. „Wir spielen eigentlich uns selbst, aber in unangenehm cool. Eine Gesellschaft, die ignorant, spaß- und selbstsüchtig wertet über Cahit und Sibel. Die den Plan verlacht, sich mit einer Scheinehe die Freiheit zu erkaufen, und erst recht die plötzliche Liebe. Doch zuletzt denken wir um." „Ja", fasst Berkem zusammen, „das war eine Reise für jede einzelne Figur zu sich selber. Und am Ende ist es eine Art Trotz, egal was die anderen denken – das bin ich, das habe ich mitgemacht im Leben."
 
Neben Profisängern auf der Bühne zu stehen, ist nur ein Aspekt der Projektarbeit in der Jungen Oper. Nicht minder aufregend ist es zu  erleben, wie eine Inszenierung erarbeitet wird und dabei eine Rolle spielen zu dürfen. „Das Besondere bei der Jungen Oper," sagt David, „sind auch die Inhalte der Stücke. Einerseits ist man der Lehrling, man wird nicht wie die Profis bezahlt, hat keine Hauptrolle, aber es geht um brennende gesellschaftliche Themen, bei denen wir die wichtigsten sind. Es ist cool, dass wir so den Profis wieder was zurückgeben können." Gegeben durch ihre besondere Rolle in Neco Çeliks Inszenierung der deutsch-türkischen Oper „Gegen die Wand" haben die Jugendlichen einen intensiven kreativen Prozess miterlebt. Und sind begeistert. „Bei Neco Çelik finde ich, dass er am bisher persönlichsten mit uns umgeht, dass er sich wirklich für uns interessiert, das ist die größte Herausforderung, da müssen wir am meisten bei uns selbst graben, das gefällt mir am besten."
Gespräche gaben die Grundlage für die Haltung der Figuren, dann war Eigeninitiative gefragt. „Das ist in den Aufführungen bei uns in der Schule nie so, da wird gesagt, du stehst jetzt dahin und machst das und gehst dann da rüber, aber bei Neco Çelik wird wirklich ausprobiert, wir suchen gemeinsam immer weiter, da lernt man einfach was."
Harte Arbeit ist das bisweilen, da sind sich alle einig. Geduld ist nötig, wenn man hinter der Bühne schweigend auf den Auftritt warten muss, Konzentration, auch wenn die Szene auf der Probe stoppt und der Regisseur sich gerade mal nicht dem Chor widmen kann. Doch auf die Frage nach dem Gewinn sprudeln die Antworten:
„Man kann das raushängen lassen, was man im Alltag nicht so raushängen lassen kann, so ganz crazy oder so." – „Und wenn dann erst die Kostüme dazukommen! Ich fand das witzig, dass in „Zaïde" auch Socken beim Kostüm dabei waren, ich hatte nicht meine Socken an, sondern die Socken der Person, die ich spielte. Ich war eine andere Person, mit allen Konsequenzen." – „Man kann Energie ablassen, die sich im Alltag anstaut, z.B. wenn man eine Schreiszene hat." – „Neben dem Stress ist es eigentlich ein totaler Luxus!"
„Es bedeutet mir immer mehr", meint Anna zum Schluss. Und Isabel ergänzt, fast andächtig: „Das Gefühl einer großen Familie, dass man hier eine Art Seelenverwandte findet, Leute mit gleichen Interessen, die Künstler sind ..."

Das Interview führte Barbara Tacchini
HANDLUNG
1. AKT

Cahit rast mit dem Auto gegen eine Mauer, überlebt aber und kommt in die Psychiatrie. Dort trifft ihn Sibel, eine junge Deutschtürkin. Auch sie hat einen Selbsttötungsversuch hinter sich und wird von ihrer Familie mit Vorwürfen überschüttet. Sibel spricht Cahit unvermittelt an und schlägt ihm vor, sie zu heiraten, doch er weist sie schroff ab. Am Tag, als Cahit die Klinik verlässt, bedrängt ihn Sibel und legt ihm ihren Plan dar: Mit einer Scheinehe will sie ihrem traditionsverbundenen türkischen Elternhaus entkommen und ein selbstbestimmtes Leben führen, auch in sexueller Hinsicht. Da Cahit Türke ist, würden die Eltern ihn akzeptieren. Cahit gibt nach, als sie sich erneut die Pulsadern aufschneidet. Cahits Kumpel Seref gibt sich als sein Onkel aus und hält mit ihm um Sibels Hand an. Der Heiratsantrag ist erfolgreich, denn die Familie will trotz Bedenken gegenüber dem Heiratskandidaten ihr Gesicht wahren. Die Familie der Braut richtet ein großes Hochzeitsfest aus. Sibels Trauzeugin ist die Cousine Selma, die aus Istanbul anreist. Als Sibel Cahit in der Hochzeitsnacht auf seine verstorbene Frau anspricht, reagiert er aggressiv und wirft sie aus der Wohnung. Sie verbringt eine wilde Nacht mit anderen Männern.
Sibel folgt ihrem Plan von Freiheit hinter der Fassade der Scheinehe. Sie nimmt Cahit mit zum Besuch bei ihrem Bruder Yilmaz. Cahit reagiert aggressiv auf das doppelbödige Gerede von Yilmaz’ Freunden. Yilmaz realisiert, dass Cahit seine Schwester liebt. Sibel merkt plötzlich, dass sie ebenfalls Liebe für Cahit empfindet. Doch sie will nicht mit ihm schlafen, um frei zu bleiben. Niko, ein Liebhaber, möchte mehr von Sibel. Sie weist ihn ab. Aus Wut provoziert er Cahit, bis dieser zuschlägt und ihn im Affekt tötet.
 
 
2. AKT

Cahit ist im Gefängnis. Sibel besucht ihn und beteuert ihm ihre Liebe. Weil sie durch ihre offensichtliche Untreue zu ihrem Ehemann Schande über die Familie gebracht hat, wird sie von der Familie verstoßen. Sie ist total einsam und flieht nach Istanbul zu Cousine Selma, die dort ein Hotel führt und ihr Arbeit gibt. Doch Sibel fühlt sich erneut eingesperrt, hält die Arbeit als Zimmermädchen nicht aus. Sie zieht zu Barkeeper Hüseyin, mit dem sie in blinder Verzweiflung Drogen konsumiert, bis sie im Rausch von ihm vergewaltigt und danach rausgeschmissen wird. Sie provoziert Männer auf der Straße und erntet tiefste Verachtung.
 
 
3. AKT
Einige Jahre später, nach seiner Entlassung aus der Haft, sucht Cahit seinen Schwager Yilmaz auf und fragt nach Sibel. Er verachtet Yilmaz für seine Antwort, die Schwester existiere nicht mehr, man habe die Familienehre retten müssen. Cahit reist nach Istanbul und bringt Cousine Selma so weit, dass sie ihm Sibels Aufenthaltsort verrät. Sibel führt mit Freund und Kind ein neues Leben in Istanbul. Sie trifft sich mit Cahit. Die beiden verbindet tiefe Liebe. Cahit möchte, dass Sibel mit ihm in seine Geburtsstadt Mersin fährt, um dort zusammen mit ihm zu leben. Er wartet vergeblich auf sie beim Busbahnhof.