Christoph Marthaler

Regisseur

Christoph Marthaler, Regisseur, wurde in Erlenbach bei Zürich geboren. Von der Biennale in Venedig wurde er 2015 mit einem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. In den Siebzigern und Achtzigern war er als Theatermusiker an verschiedenen deutschsprachigen Bühnen tätig. 1988-1993 arbeitete er kontinuierlich am Theater Basel, hier inszenierte er u.a. Ankunft Badischer Bahnhof (1988), Stägli uf, Stägli ab, juhee! (1990), Prohelvetia (1993), es folgten The unanswered question und 20th Century Blues, beide Arbeiten in Zusammenarbeit mit Jürg Henneberger. Mit der Inszenierung Murx den Europäer! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab! aus dem Jahre 1993 ist seine neuartige Theatersprache auf den deutschen Bühnen bekannt geworden. Es folgten weitere Inszenierungen an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, z.B. Sturm vor Shakespeare – le petit Rien, und am Hamburger Schauspielhaus, u. a. Goethes Faust – Wurzel 1+2. Für Marthalers mittlerweile legendäre Inszenierung von La Vie parisienne (1997) erarbeitete Sylvain Cambreling eine neue Orchestrierung und übernahm die musikalische Leitung des Klangforum Wien. Immer wieder arbeiten beide Künstler zusammen. 2000-2004 war Marthaler Intendant des Schauspielhauses Zürich, das in dieser Zeit zweimal zum «Theater des Jahres» gewählt wurde. Im Jahr 2003 entstand sein Projekt Lieber nicht – Eine Ausdünnung (nach Melvilles Bartleby, der Schreiber), invocation (Moderato Cantabile) wurde im Rahmen der Zürcher Festspiele uraufgeführt, eine Oper nach Texten von Marguerite Duras und mit Musik von Beat Furrer. Mit Meg Stuart und Stefan Pucher erarbeitete er das Projekt Das goldene Zeitalter, es folgten Dantons Tod und O.T. Eine Ersatzpassion. An der Volksbühne Berlin entstand im Jahre 2005 Die Fruchtfliege und 2006 hatte Geschichten aus dem Wienerwald Premiere. Ein Jahr später inszenierte er Giuseppe Verdis La traviata an der Opéra national de Paris und das Musiktheater Sauser aus Italien über Giacinto Scelsi. Der Theaterabend Platz Mangel wurde für das Theatertreffen 2008 in Berlin nominiert. Es folgte eine Inszenierung von Wozzeck an der Pariser Opéra Bastille. Zum hundertjährigen Jubiläum des Hotel Waldhaus entstand der Abend Das Theater mit dem Waldhaus, das ebenso wie das mit Anna Viebrock für die Wiener Festwochen erarbeitete Projekt Riesenbutzbach. Eine Dauerkolonie zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. 2010 wurde Marthaler (gemeinsam mit Olivier Cadiot) als „artiste associés“ zum Festival D’Avignon eingeladen und inszenierte dort im Papstpalast einen Abend mit dem Titel Papperlapapp. Für die Salzburger Festspiele inszenierte er im Sommer 2011 Janaceks Oper Die Sache Makropulos. Am Theater Basel produzierte Marthaler zuletzt La Grande-Duchesse de Gérolstein, die Uraufführung von Beat Furrers Wüstenbuch, das Sprachlabor Meine faire Dame und das Musiktheaterprojekt mit Musik Verdis Lo Stimolatore Cardiaco. Seine Inszenierungen, zuletzt ein in der grönländischen Hauptstadt Nuuk entstandenes Projekt mit dem Titel +-0, sowie Glaube Liebe Hoffnung an der Berliner Volksbühne, King Size. Eine enharmonische Verwechslung und Das Weisse vom Ei. Une Ile Flottante aus Basel, werden weltweit auf Festivals präsentiert. 2014 führte Marthaler Regie bei Heimweh&Verbrechen am Schauspielhaus Hamburg und bei Les Contes d'Hoffmann am Teatro Real in Madrid. Diese letztere Inszenierung feiert 2015/16 Premiere an der Oper Stuttgart.
© Björn Jensen
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