Ariodante

von Georg Friedrich Händel
Dramma per musica in drei Akten
Libretto nach Antonio Salvi
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
„Wir alle spielen Theater“, fand der Soziologe Erving Goffman und analysierte anhand dramatischer Strukturen das alltägliche Ringen um die beste Performance. Und weil Rollenspiel und Verstellung mit allen Konsequenzen dazugehören, ist die Bühne ein gutes Erkenntnismittel im Dickicht von „echt“ vs. „vorgespielt“. Händels Oper über den Feldherrn Ariodante, dessen Liebe durch Täuschungsmanöver gefährlich ins Wanken gerät, wird bei Wieler/Morabito zur Reflexion über das Wesen des Schauspielens. Wie in der Premiere stehen Diana Haller, Ana Durlovski, Josefin Feiler und Matthew Brook wieder im Boxring, der die Welt bedeutet, und werden mit stimmlicher Virtuosität begeistern – am Pult Händel­-Spezialist Christopher Moulds.

Ort
Opernhaus
Dauer
1. Teil: ca. 1 h 35 min
Pause: ca. 30 min
2. Teil: ca. 1 h 35 min
Uraufführung
1735 in London

Premiere dieser Produktion
2017
Altersempfehlung
ab Klasse 10
Sep 18
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

So
30
18:00 - 21:45
Besetzung
Okt 18
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Sa
6
19:00 - 22:45
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Di
9
19:00 - 22:45
Besetzung
Nov 18
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Di
13
19:00 - 22:45
91,00 / 78,00 / 65,00 / 53,00 / 42,00 / 32,00 / 21,50 / 15,00 / 9,00 € / E
Besetzung
Musikalische Leitung Christopher Moulds
Regie und Dramaturgie Jossi Wieler, Sergio Morabito
Bühne und Kostüme Nina von Mechow
Beleuchtungs- und Videokonzept Voxi Bärenklau
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

So
18
18:00 - 21:45
109,00 / 94,00 / 78,00 / 63,00 / 50,00 / 38,00 / 25,50 / 17,50 / 9,00 € / F
Besetzung
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Do
22
19:00 - 22:45
91,00 / 78,00 / 65,00 / 53,00 / 42,00 / 32,00 / 21,50 / 15,00 / 9,00 € / E
Besetzung
Dez 18
https://www.staatsoperstuttgart.de Staatsoper Stuttgart Oberer Schlossgarten 6, 70173 Stuttgart

Sa
1
19:00 - 22:45
109,00 / 94,00 / 78,00 / 63,00 / 50,00 / 38,00 / 25,50 / 17,50 / 9,00 € / F
Besetzung
Handlung
1. TEIL
 
Ouvertüre
Einzug der Artisten
Ginevra, Prinzessin von Schottland (Sopran), schmückt sich für ihren Geliebten Ariodante (Mezzosopran). Die Avancen von Polinesso (Altus) weist sie zurück. Polinesso will Dalinda, Ginevras Kammerfrau (Sopran), die in ihn verliebt ist, benutzen, um sich an Ginevra und Ariodante zu rächen. Ginevras Vater, der König von Schottland (Bass), erklärt Ariodante zu seinem künftigen Schwiegersohn und Thronfolger. Am Vorabend der geplanten Hochzeit von Ginevra und Ariodante wird Verlobung gefeiert. Polinesso verlangt von Dalinda, sich Ginevras Kleider anzulegen, angeblich, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich in seiner Phantasie an der Prinzessin rächen und seine vorgebliche Leidenschaft für die Prinzessin so überwinden zu können. Dalinda willigt ein. Die Annäherungsversuche von Ariodantes Bruder Lurcanio (Tenor) weist Dalinda zurück.
Erstes Divertissement
Schamlosigkeit der Schauspielerin
Polinesso provoziert Ariodante mit der Behauptung, Ginevra wäre mit ihm intim. Aus dem Verborgenen beobachten Ariodante und Lurcanio wie die als Ginevra verkleidete Dalinda Polinesso empfängt. Ariodante hält Ginevras Untreue für bewiesen und will sich aus Verzweiflung das Leben nehmen. Polinesso hat indessen seine ganze Wut an Ginevras Kleidern abreagiert.

Pause
2. TEIL
Der Höfling Odoardo (Tenor) überbringt dem König die Nachricht von Ariodantes Tod. Lurcanio klagt Ginevra öffentlich der Untreue an und gibt ihr die Schuld am Selbstmord seines Bruders. Dem schottischen Gesetz gemäß muss Ginevra sterben, es sei denn ein Verteidiger ihrer Ehre wäre bereit, sie im Gottesgericht gegen Lurcanios Anklage zu verteidigen. Der König verstößt seine vermeintlich unkeusche Tochter. Ginevra ist dem Wahnsinn nahe.
Zweites Divertissement
Nur zwei Jahre Theater und alles ist zerrüttet.
Ariodante hat seinen Selbstmordversuch überlebt. Er trifft auf Dalinda, die Polinesso als Mitwisserin seiner Intrige beseitigen wollte. Sie bezeugt Ginevras Unschuld und gesteht ihm ihre Rolle in Polinessos Spiel. Polinesso erklärt, Ginevras Ehre gegen Lurcanio verteidigen zu wollen. Mit dem Sieg will er die Hand der Prinzessin und die Thronfolge erringen. Die eingekerkerte Ginevra weigert sich, das Angebot des verhassten Polinesso anzunehmen, doch ihr Vater besteht darauf. Im Kampf um Ginevras Ehre erschlägt Lurcanio Polinesso. Der König, der alles verloren hat, will um der Ehre seiner Tochter willen selbst in den Ring steigen. Da kehrt der totgeglaubte Ariodante zurück und spricht Ginevra von aller Schuld frei. Auf seine Fürbitte hin wird Dalinda verziehen. Dalinda erhört Lurcanios Liebe. Ginevra wird aus dem Kerker erlöst.
Drittes Divertissement
Ungleichheit der Vermögen
„Kesselnder Applaus mit Bravo-Rufen.“

„Händel-Oper im Boxring: Stuttgart zeigt sportlichen ‚Ariodante‘“ von Ulf Mauder
dpa (Süddeutsche Zeitung Online)
05.03.2017
„Stets vorbildlich […] so dringlich wie eingängig dirigiert von Giuliano Carella, ist der Ensemblegeist am Stuttgarter Haus. Bei Ariodante jedoch scheinen die Klänge und Konstruktionen noch mehr miteinander zu verschmelzen als üblich: Auf breit barockem Fundament, transparent in den Höhen und nie ermüdend in den Koloraturen entfalten sich […] Ana Durlovski (Ginevra) und Diana Haller (Ariodante), auch schauspielerisch Glücksfälle, jede für sich.“

„Läuft bei denen“ von Mirko Weber
Stuttgarter Zeitung
07.03.2017
„Wenn Jossi Wieler und Sergio Morabito gemeinsam Regie führen, darf man Großes erwarten. Und tatsächlich ist Händels Oper Ariodante eine durchdachte, komplexe Inszenierung geworden.“

Über Diana Haller: „Eine derartige Kombination von Farbenreichtum und Koloraturensicherheit ist selten, und auch darstellerisch legt sie beständig zu: dieser Abend ist vor allem ihr Triumph.“

„Großartig Josefin Feilers Debüt als Dalinda, rund und warm im Timbre und elegant in der Phrasierung, Ana Durlovski bestätigt ihre Qualität als große Tragödin. Eine Entdeckung ist der Countertenor Christophe Dumaux als Polinesso [...], fabelhaft Sebastian Kohlhepp (Lurcanio) und Philipp Nicklaus (Odoardo).“

„Kleider machen Leute“ von Frank Armbruster
Stuttgarter Nachrichten
06.03.2017
„[Diana Haller singt ‚Scherza infida‘, die zentrale Arie der Oper] hinreißend voluminös und doch mit feinen Nuancen im wehmütigen, tieftrauernden Grundcharakter dieser Arie.“

„Obwohl das Staatsorchester Stuttgart […] dieses Repertoire äußerst selten spielt (Ariodante gab es in Stuttgart erst einmal, 1926), hörte sich Vieles unter Giuliano Carella so geschmeidig, rhetorisch prägnant, aber samten artikuliert und dabei immer gut ausbalanciert an, dass bei den großen Da-capo-Arien nie Langeweile aufkam.“

"Schein und Sein" von Klaus Kalschmid
Die deutsche Bühne Online
06.03.2017
„Feinsinniger und klüger kann man an eine barocke Oper kaum heran gehen. […] Es darf gelacht und durchaus auch gedacht werden, in diesem Schaukampf der Eitelkeiten.“

„Äußerst klangschön und mitfühlend agieren hier die Musiker des Staatsorchesters im Graben und geradezu Brillantes, darstellerisch und stimmlich, leisten die Sänger auf der Bühne.“

„Schaukampf der Eitelkeiten“ von Monika Kursawe
SWR2 "Kulturthema"
06.03.2017
„Meisterlich tritt das Stuttgarter Ensemble auf. Unfassbar, wie Diana Haller als Ariodante die Koloraturen herausschleudert. Minutenlange Kettenreaktionen der Liebe, der Wut, der Verzweiflung. Ana Durlovski ist nicht weniger virtuos die emotional verschattete Ginevra: das eigentliche Opfer, das noch geschlagen im Boxring  liegt, wenn die anderen ihre Barockkostüme angezogen haben und tänzeln, als beginne jetzt erst der eigentliche Opernspaß. Ob Matthew Brook als König, Josefin Feiler als Dalinda, Sebastian Kohlhepp als Lurcanio und Phi­lipp Nicklaus als Odoardo: Sie gehören zu einem Spitzenteam.“

„Händel im Boxring“ von Jürgen Kanold
Südwest Presse
07.03.2017
„[Dieser Ariodante kommt] nie oberlehrerhaft daher, [bleibt] kreativ bis zum Ende und [beglückt] vor allem auch musikalisch. Das Staatsorchester Stuttgart spiegelt unter der Leitung von Giuliano Carella die Leichtigkeit der Regie. […] Carella schärft die Extreme, macht Freude zur Ekstase und Trauer zu tief berührendem Schmerz. Dabei unterstützen die Beweglichkeit und starke rhythmische Akzentuierung des Orchesters das spielfreudige Ensemble auf Schritt und Tritt.“

Diana Haller zelebriert mit ihrem geschmeidigen, perfekt geführten Mezzosopran die ganze emotionale Breite des Titelhelden. […] Ana Durlovskis leicht gaumiger Koloraturenglanz als Ginevra trägt ebenfalls zur hohen sängerischen Qualität des Abends bei wie auch Sebastian Kohlhepps warmer, heller Tenor.“

„Mit kritischen Tönen – Händels ‚Ariodante‘ in Stuttgart“ von Georg Rudiger
Badische Zeitung
06.03.2017
"Ein überragendes Rollendebüt in jeder Beziehung gibt die in Stuttgart ‚entdeckte‘, mittlerweile europaweit gefragte Diana Haller als sportlicher Rächer Ariodante. Ihr Mezzosopran betört mit phänomenalen Farbnuancen und lässt seine brillanten Koloraturen wie auf Flügeln des Gesangs dahinschweben.“

„Händels ‚Ariodante‘ an der Staatsoper Stuttgart“ von Werner M. Grimmel
Schwäbische Zeitung
06.03.2017
„Wer denkt, alles wäre schon dagewesen und gerade auch die Metaebene der Gaukler, die uns eine Oper aufführen, könnte zu nichts Spektakulärem mehr führen, darf jetzt in Stuttgart über den jüngsten Coup des Intendanten Jossi Wieler und seines Dramaturgen Sergio Morabito staunen.“

„Zum szenischen (und konzeptionellen!) kommt der musikalische Triumph: Man hört unter anderem Ana Durlovski als honigsüße Ginevra, Diana Haller als wahrlich furiosen, unermüdlich dahinrasenden Ariodante, Josefin Feiler tirilliert als Hofdame (unverschämte Göre) Dalinda – ein unentscheidbarer, sensationeller Wettstreit unter drei unterschiedlich timbrierten Frauenstimmen. Sebastian Kohlhepp als Ariodantes Bruder gefällt mit seinem anschmiegsamen, agilen Tenor. Giuliano Carella […] bietet zarten Farbenzauber aus dem erhöhten Graben.“

"[Christophe Dumaux gehört] auch innerhalb des phänomenal, des erschütternd guten Ensembles für den Stuttgarter Ariodante noch an die Spitze, eine kraftvoller [...] Counter der Extraklasse."
 
„Barock im Ring“ von Judith von Sternburg
Frankfurter Rundschau
07.03.2017
Diana Haller [...] bewältigt die riesige Ariodante-Partie bravourös mit dem dunklen Glanz ihrer Stimme und ehrlicher Empathie. Wie überhaupt das Stuttgarter Ensemble [...] mit entwaffnender musikalischer Könner- und Leidenschaft antritt.“

„ [...] Die Arien-Lawine Händels [stiftet] den Dirigenten Giuliano Carella und das temperamentvoll reagierende Staatsorchester Stuttgart zu Höchstleistungen [an].“

„Lauter Schamlosigkeiten“
von Wolfgang Schreiber
Süddeutsche Zeitung
12.03.2017
„Das Stuttgarter Ensemble [hatte] einen großen Tag – und [bestätigte] wieder, dass Bühnenpräsenz und vokale Effizienz ebenso zusammengehören wie Charakter und Perfektion. Diana Haller bringt für den Ariodante einen geläufigen wie klangschönen Mezzosopran mit und stattet die Partie mit nachdrücklichem Espressivo aus. Ana Durlovski hat zur Koloratur-Gewandtheit ihres Soprans noch an Ausdruckskraft gewonnen, vermag der am Boden liegenden Ginevra schmerzliche Intensität zu geben. Sehr differenziert, ohne Patriarchen-Pathos sang Matthew Brook den zerrissenen König. Josefin Feiler als Dalinda gefiel mit ihrem höchst alerten Sopran. Eine Doppel-Sonderrolle fiel dem Countertenor Christophe Dumaux zu, der nicht nur den Fiesling Polinesso mit enormer Agilität und Strahlkraft sang, sondern auch die Rousseau-Texte klug-beiläufig las. Der Tenor Sebastian Kohlhepp verlieh dem Ariodante-Bruder Lurcanio einsatzfreudig die passende Stimme.“ 

„Die Prinzessin trägt die Hosen des Obelix“ von Gerhard R. Koch
Frankfurter Allgemeine Zeitung
07.03.2017
„[Eine] abgründige Show, ungeheuer gedankenreich, in detaillierter Fülle und Stimmigkeit inszeniert als Theaterrealität, als zeichenhafter Modus der Darstellung.“

„Beachtlicher Gesang von einem schauspielerisch durchweg formidablen Ensemble: Diana Haller zieht in der Titelrolle souverän das virtuose Koloraturenregister […]. Ana Durlovski meistert mit großer technischer und stilistischer Sicherheit die Ginevra-Partie […]. Leuchtend und schlichtweg brillant Josefin Feilers Dalinda, von der Regie befreit aus der Dummchen-Rolle zur erotisch Selbstbewussten. Sebastian Kohlhepp gibt dem Ariodante-Bruder Lurcanio markige Tenor-Präsenz […].

„Aus dem Freiraum in die geschlossene Anstalt“ von Martin Mezger
Cannstatter Zeitung
07.03.2017
"Überbordende Spiellust und Freude am Oper Machen sind das Prinzip dieser Aufführung, die den weiten Kreis zwischen Komischem und Tragischem  überzeugend aufschließt. […] Nach solch einer Aufführung darf auch der Kritiker einmal schwärmen. Einen derart inspirierenden Opernabend habe ich lange nicht erlebt."

"Ein lieto fine im Boxring“ von Christoph Wurzel
Online Musik Magazin
08.03.2017
„Zu Recht großer Jubel für die Sänger wie auch für den Dirigenten Giuliano Carella, der dem Staatsorchester Stuttgart Barockklänge vom Feinsten entlockte, genauso differenziert wie subtil die Zentralaffekte umsetzte, untrüglich seine Tempi disponierte und die klanglichen Kontraste mit Prägnanz ausmusizierte.“

„Durchdrungene Affekte“
DER KLASSIKKRITIKER
08.03.2017
„Mit Diana Haller in der Titelrolle, Ana Durlovski als Ginevra und der jungen Josefin Feiler als Dalinda schmückt sich die Inszenierung mit drei Ensemblemitgliedern, die allesamt ihre Partien mit makelloser Sicherheit beherrschen und sich, salopp ausgedrückt, nicht viel nehmen. Die für die Barockoper essentiellen Koloraturen kommen so leichtfüßig, so selbstverständlich daher, dass man meinen könnte, sie bedürften keiner größeren Anstrengung als ein Handygespräch in der S-Bahn.“

„Eine geschlossenere Ensembleleistung, die vervollständigt wird durch das um Barocksolisten ergänzte Staatsorchester unter Giuliano Carella, ist kaum denkbar.“

„Die ganze Welt ist Bühne“ von Thomas Rothschild
Faust Kultur
08.03.2017